Exit (into) Paradise
„Adam, wie der erste Mensch“ – diesen Satz habe ich oft gehört. Seit meiner Geburt trage ich diesen Namen und fühle mich dadurch verbunden mit einer der ältesten Geschichten über Verführung, Neugierde, Erkenntnis, Schuld und Menschsein.
Ich habe mich gefragt: Was, wenn dieser sogenannte Sündenfall kein moralischer Absturz war, sondern ein notwendiger Moment des Erwachsenwerdens? Was, wenn wir Schuld in Verantwortung verwandeln – und dadurch der Weg in ein Paradies 2.0 möglich wird?
Exit (into) Paradise ist das Ergebnis jahrelanger Auseinandersetzung mit Freiheit, Selbstermächtigung und Verantwortungsbewusstsein.
In Südtirol habe ich 2025 über den Apfel recherchiert, junge Apfelbäuerinnen und -bauern getroffen, die ihr Erbe bewusst neu gestalten, sowie Künstler:innen, die den Mut haben, ihre eigene Wahrheit zu teilen.
Der Apfel wird in meiner Arbeit zum Symbol für Neugier, Mut und Erkenntnis.
Für ein Paradies, das nicht auf Unschuld basiert, sondern auf reflektierter Mündigkeit. Auf der Bereitschaft, sich selbst zu begegnen.
Exit (into) Paradise ist eine Einladung:
Dare & Truth - was wählst du?
Truth
Acrylic on canvas
30x80cm
2026
1.650 Euro
Eat me!
Acrylic on canvas
30x30cm
2026
900 Euro
Try and Exit (into) Eden
Acrylic on canvas
100x150cm
2026
4.000 Euro
Dared
Acrylic on canvas
50x120cm
2026
2.500 Euro
Dare & Truth
Acrylic on canvas
40x60cm
2026
1.500 Euro
EDITION 8: Dare & Truth
Fine Art Print Hahnemühle
50x70cm
300 Euro
Alle Preise exkl. MwSt & Versand
Bei Interesse, Werke bitte hier anfragen
DARE & TRUTH
DARE & TRUTH
EDITION № 8
Die Edition Dare & Truth ist durch eine Auflage von 100 Stück limitiert.
Fine Art Print auf Hahnemühle
50x70 cm
personalisiert, nummeriert & signiert
PLUS INTERAKTION
limitiert auf 100 Stück
Jeder Print wird signiert, nummeriert und wird durch eine handschriftliche Aufschrift der Begriffe Truth oder Dare (je nach Wahl beim Kauf) und einer zufälligen Anzahl an Apfelkernen personalisiert. Dadurch entsteht ein individuelles Exemplar innerhalb der Edition.
Jeder Print enthält eine individuelle Wahl zwischen Truth und Dare. Die gewählte Option wird handschriftlich direkt auf dem Werk vermerkt und löst eine persönliche Karte in einem Briefumschlag aus – bei Truth mit einer Frage, bei Dare mit einem Impuls. So wird beinhaltet Exemplar der Edition Teil eine persönliche Interaktion.
WAS WÄHLST DU?
Jedes Exemplar der Edition kommt
- je nach Wahl - mit einer Karte:
Bei Truth mit einer Frage, bei Dare mit einer Aufgabe und wird jede:r Sammler:in somit Teil des Kunstwerks.
300 EURO
inkl 7% MwSt zzgl. Versand
ABOUT :
EXIT (INTO) PARADISE
ABOUT : EXIT (INTO) PARADISE
About: Exit (into) Paradise
Im ersten Buch Mose essen Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse – obwohl Gott es verboten hat. Zunächst lässt sich Eva von der Schlange überzeugen. Adam isst ebenfalls. Ihre Augen gehen auf, sie erkennen sich selbst, schämen sich für ihre Nacktheit, und sie werden aus dem Paradies vertrieben.
Seit meiner Kindheit irritiert mich diese Geschichte. Was bedeutet hier Nacktsein? Ist es sündhaft, sich einer Autorität zu widersetzen, wenn daraus etwas Positives erwächst? Ist der Wunsch nach Erkenntnis wirklich eine Sünde? Sich selbst zu hinterfragen, verstehen zu wollen, Wissen zu suchen über Gut und Böse – wie lässt sich diese Problematik lösen?
Bei genauerem Hinsehen ist der sogenannte Sündenfall vielleicht kein moralischer Absturz, sondern ein Bewusstseinsmoment. Nicht der Tod tritt unmittelbar ein – sondern Erkenntnis darüber, was es bedeutet, Mensch und Individuum zu sein.
Vielleicht beschreibt die Geschichte kein moralisches Scheitern, sondern ein kollektives Erwachsenwerden: den Übergang von Unmündigkeit in Verantwortung. Ein Kind, das erkennt, dass seine Eltern nicht allmächtig sind, verliert Unschuld – gewinnt aber Autonomie.
Ebenso verhält es sich mit Gesellschaften: Wer Autorität zu hinterfragen beginnt – religiös, familiär, staatlich –, tritt aus einem vorgegebenen Paradies heraus, erhält Freiheit und schafft einen Denkraum, frei zu gestalten.
Meine Arbeit Exit (into) Paradise ist das Ergebnis (oder vielleicht der Anfang) eines Denkprozesses, der mich seit vielen Jahren begleitet. Die Auseinandersetzung mit dem Apfel, mit Erkenntnis, Scham, Schuld und Verantwortung begann lange bevor diese Bilder entstanden sind.
Auch die Frage nach Schuld erscheint mir in neuen Licht. Eva wurde aus Adams Rippe geformt – ihr ist er ebenbürtig. In der traditionellen Auslegung wird Eva jedoch zur Hauptschuldigen erklärt, während Adam passiv bleibt.
Dabei isst er ebenso freiwillig, hört ebenso die Warnung Gottes und die List der Schlange – und entscheidet doch, selbst vom Apfel zu kosten. Sind sie nicht beide gleichermaßen verantwortlich für ihr Handeln?
Warum wird weibliche Neugier als Gefahr gelesen, männliche Passivität hingegen verharmlost?
Für mich ist weniger die Schuldfrage entscheidend, als die Frage nach Verantwortung: Verantwortung für sich selbst, für andere, für das Zusammenleben.
Südtirol: Mein Denk-, Austausch- und Forschungsort
Im vergangenen Jahr habe ich mich bewusst entschieden, Südtirol als Denk-, Austausch- und Forschungsort zu nutzen: als Ort des Apfels, der Kultivierung von Natur, Tradition, Handwerk und einer Generation, die ihr Erbe bewusst gestaltet.
Dort ging es mir nicht um Inspiration im klassischen Sinne, sondern um Verdichtung. Um Recherche, Gespräche, Beobachtungen, um den Austausch mit Menschen außerhalb meines gewohnten Umfelds. Der Apfel wurde dabei zum Knotenpunkt: biologisch, kulturell, religiös und politisch aufgeladen – und zugleich alltäglich.
Ich habe so viel probiert: Es gibt so viele Apfelsorten – so viele Farben, Formen und Geschmäcker. Jede hat ihre eigene Geschichte, ihre Nuancen, ihre eigene Zeit zum Reifen – manchmal sauer, bitter, oft süß.
Ich traf Apfelbäuerinnen und -bauern, die Land, Höfe und Hotels von ihren Familien geerbt haben. Menschen, die nicht einfach nur weiterführen, sondern neu gestalten: mit Bewusstsein für ökologische Zusammenhänge, Liebe zum Handwerk und dem Mut, Altes mit Neuem zu verbinden. Ich lernte die Schritte des Apfelanbaus kennen: Winterplanung, Frühjahrsschnitt, Pflege im Sommer, Ernte im Herbst, Vermarktung über Genossenschaften. Jede Entscheidung, jede Handlung folgt einem Rhythmus, der Boden, Klima, Bäume und Menschen miteinander verknüpft.
Ich sah, wie Ressourcen genutzt werden, die die Erde vor Ort seit jeher hergibt – im Apfelanbau, in Holzschnitzerei, in handwerklicher Arbeit. Alles ist Ausdruck von Aufmerksamkeit und Verantwortung: für Material, Zeit und Gemeinschaft. Die Liebe zum Handwerk zeigt sich nicht als Nostalgie, sondern als Weg, Wissen, Erfahrung und Zukunft miteinander zu verbinden.
Die Natur als Lehrmeisterin - Paradies 2.0
Der Apfel ist in meiner Serie kein reines Stilllebenmotiv, sondern Träger von Geschichte und Einladung zu einer neuen Perspektive. Seit Jahrhunderten steht er als Symbol für Erkenntnis, Verführung und Schuld – eine Schuld, die vor allem der Frau zugeschrieben wird.
Exit (into) Paradise hinterfragt diese Projektion:
Was, wenn Erkenntnis kein Fehltritt, sondern ein notwendiger Akt der Selbstermächtigung ist? Was passiert, wenn wir Eva und Adam die Schuld nehmen und sie durch Verantwortung ersetzen?
Wachstum bedeutet Trennung, Reifung Abnabelung. Der Kern muss sich lösen, um zu blühen und Frucht zu tragen. Der Sündenfall – und die damit erlangte Erkenntnis – ist in diesem Sinne kein Bruch mit dem Paradies, sondern Bedingung, in ein nächstes Level zu treten.
Vielleicht war das Paradies im ersten Buch Mose ein Zustand der Unschuld – behütet, geführt, unbewusst. Aber was, wenn es eine weitere Ebene gibt?
Ein Paradies 2.0, das nicht auf Unwissenheit, sondern auf Integration beruht. Nicht auf Gehorsam, sondern auf Selbstverantwortung. Nicht auf Angst vor Strafe, sondern auf reflektierter Mündigkeit. Dieses zweite Paradies entsteht nicht trotz Erkenntnis, sondern durch sie.
Es ist kein Ort der Naivität, sondern ein Zustand, der Ambivalenz aushält – ein Ort, an dem wir unsere Verletzlichkeit, Begrenztheit und Sterblichkeit akzeptieren und daraus Verantwortung entwickeln.
Vielleicht kommen wir vom Paradies 1.0 durch die Integration von Erkenntnis erst zum Paradies 2.0. Nicht als Rückkehr in die Unschuld, sondern als Ankommen in Verantwortung: ein kollektives Erwachsenwerden und die Hoffnung auf ein Paradies, das kein Zustand, sondern ein Prozess ist. Ein Paradies, das wir nicht geerbt, sondern bewusst gestalten können.
Exit (into) Paradise beschreibt einen Prozess: das Verlassen eines bequemen, vorgegebenen Narrativs – und zugleich das Hineingehen in ein anderes. Der Apfel wird zum Knotenpunkt zwischen Natur, Kultur und Selbstreflexion. Dafür benötigt es Neugierde und Mut, etwas herauszufinden.
Hier begegnete mir das Spiel Truth or Dare – mit einer spielerischen Form einer Entscheidung: Bleibe ich in der vorgegebenen Wahrheit oder wage ich den Schritt ins Unbekannte? Bleibe ich im sicheren Rahmen oder öffne ich mich für Erkenntnis? Erwachsenwerden funktioniert ähnlich: Es ist eine Entscheidung, sich selbst zu begegnen, Fragen zu stellen, mutig zu handeln, Fehler zu akzeptieren und Verantwortung für die Konsequenzen zu tragen.
In den letzten Jahren habe ich viel über mich selbst gelernt. Auch wenn mein Name Adam ist, habe ich Anteile von Eva und der Schlange in mir, mit denen ich mich identifizieren kann.
Wo ich in der Vergangenheit Verantwortung abgegeben habe, trage ich sie nun bewusst. Meine Neugierde ist mein größter Antrieb: Fragen zu stellen, Autoritäten zu hinterfragen, unbequem zu sein – es gehört zu mir und macht mich lebendig, je mehr die Scham verschwindet.